Stroth Immobilien  -  Wohn- & Gewerbeimmobilien

10.02.2011

Mietbetrug auf Wohnungsbörsen

Zimmer futsch, Kaution auch

Von Juliane Frisse

Billiges Wohnen ist ein studentisches Grundbedürfnis. Das nutzen Betrüger auf WG-Portalen im Internet aus: Sie bieten Altbau-Zimmer oder Wohnungen im Szeneviertel zu Spottpreisen an. Wer sich ködern lässt, sieht sein Geld nicht wieder.

23 Quadratmeter, renovierter Altbau mit Balkon und Fischgrätparkett, im begehrten Hamburg-Eimsbüttel, zur Untermiete ab sofort. Nur 300 Euro soll das Zimmer kosten, inklusive Wasser, Heizung, Strom, Internet und Telefon - für Hamburg ist das sehr günstig.

Als Matthias Fahsold das Angebot auf dem Portal WG-Gesucht.de entdeckt, schreibt er direkt an die angegebene E-Mail-Adresse. Der 25-Jährige sucht dringend eine neue Bleibe, seine Wohngemeinschaft löst sich auf, nachdem der Vermieter Eigenbedarf angemeldet hat. "Ich habe sofort gedacht: Hoffentlich kriege ich das Zimmer", sagt Matthias.

Scheinbar hat er Glück, auf seine Anfrage bekommt er direkt eine Antwort. Auf Englisch schreibt ihm ein vermeintlicher britischer Unternehmer: Er sei für ein paar Monate geschäftlich in seiner Heimat und wolle solange untervermieten. Gerne auch die ganze Wohnung für 600 Euro, wenn Matthias Interesse habe. Hat er - und fragt nach einem Besichtigungstermin.

Die Masche: Kaution gegen Schlüssel

Leider sei er bereits samt Wohnungsschlüssel in England, antwortet der Mann. Damit Matthias sich einen ersten Eindruck machen kann, schickt er ihm ein paar Fotos der Wohnung und macht einen Vorschlag: Er solle per Treuhandservice der Western Union die Kaution überwiesen, dann würde er ihm den Schlüssel zuschicken - völlig unver­bind­lich. Sollte ihm die Wohnung nicht gefallen, könne er den Schlüssel zurückschicken und erhalte die Kaution zurück.

Matthias wird misstrauisch, schreibt eine E-Mail an WG-Gesucht. Kurze Zeit später ist die Anzeige gelöscht: Betrugsverdacht.

Das Angebot klingt zwar nach einem für beide Seiten sicheren Prozedere. Doch hätte Matthias Geld überwiesen, er hätte es wohl nie wiedergesehen. Western Union bietet gar keinen Treuhandservice an. Matthias hätte Vorkasse geleistet - für eine Wohnung, die es wahrscheinlich nicht gibt, an einen Unbekannten, der ihm gegenüber sicherlich mit einer falschen Identität aufgetreten ist.

Seit einiger Zeit häufen sich solche Lockangebote im Netz. Die Masche der Betrüger ist immer die gleiche: Sie preisen fiktive Traumwohnungen zu Traumpreisen an und sobald sich Interessenten melden, erzählen sie ihnen meist in gebrochenem Englisch im Prinzip die gleiche Geschichte wie in Matthias' Fall.

Viele bauen Druck auf, es müsse schnell gehen, es gebe viele Interessenten. Dann der Vorschlag: Schlüssel gegen Kaution oder Anzahlung per Treuhandservice eines Unter­neh­mens wie Western Union oder DHL. Auch wenn diese das Geldparken nicht im Angebot haben, wecken die bekannten Namen Vertrauen. Genau wie der Scan eines fremden Personalausweises, den die Betrüger oft mitschicken, um ihre Opfer in Sicherheit zu wiegen.

Die Kriminellen sind vor allem auf den großen Immobilienportalen aktiv, aber zu­neh­mend auch auf Mitwohnbörsen wie WG-Gesucht oder Studenten-WG. Annegret Mülbaier von WG-Gesucht spricht zwar von einem Anteil betrügerischer Annoncen "im Promillebereich". Bei knapp 8000 neuen Anzeigen pro Tag heißt das: Rein rechnerisch sind jeden Tag mehrere Abzockangebote dabei.

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"Es gibt in Deutschland kein seriöses Vermietgeschäft, ohne dass man zuvor einen Vermieter oder Makler getroffen hat und es eine Besichtigung gab", warnt Wolfgang Baldes von der Kölner Polizei. Die Ermittler registrieren auch am Rhein "einige solcher Fälle". Genaue Zahlen gibt es nicht, da die Betrugsdezernate sie nicht gesondert registrieren. Auch sind die Täter schwer zu fassen, meistens sitzen sie im Ausland.

 

Den kompletten Artikel lesen Sie bitte hier:  http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,743595,00.html


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